Turnerfahrt

 

Turnerfahrt

12. Mai 1988

Grund-Meielsgrund-Gumm-Col de Jable-L'Etivaz-Château-d'Oex-Gsteig

Teilnehmer : Neuhaus Ruedi, Hauswirth Hansruedi, Walker Hanspeter, Walker Christian, Linder Hanspeter, Ramseier René, Buri Ruedi, Trummer Christoph. Beetschen Arthur, Marti Andreas, Brand Richard, Zbären Franz, Marti Gerhard und Graa Simon.

Bei schönem Wetter besammelte sich am Auffahrtstag der Herrenturnverein traditionsgemäss um 800 Uhr auf dem Postplatz Gsteig. Da ich das erste Mal dabei war, fasste ich auch gleich den Job, das Erlebte im Protokollbuch festzuhalten, was ich hiermit versuchen werde. Gut gelaunt fuhren wir bis zur Grundsaagi, wo wir die Autos zurückliessen und uns zu Fuss auf den Weg machten. Um die überschüssige Energie gleich am Anfang ein bisschen zu dämpfen, überquerten wir den rauschenden Meielsgrundbach und kraxelten linkerhand durch die Staldenvorsassen, wobei uns die Sonne und die Hangneigung schon ganz schön ins Schwitzen brachten. So waren alle froh, dass wir nach diesem rasanten Aufstieg eine kleine Rast einschalteten. Nach kurzer Pause gings durch das Meielstäli, welches uns in einem grünen Frühlingskleid begrüsste, weiter hinauf Richtung Gumm. Bei Würsten's Stafel schalteten wir eine zweite Pause ein, um uns vor dem letzten Aufstieg noch einmal zu stärken, wobei hie da das Isostar und Mineralwasser bereits versiegte, und dadurch gezwungenermassen auf kalorienhaltigere Flüssigkeiten umgestellt werden musste. Immer noch frisch und munter, brachen wir auf und wanderten über kleine Schneereste dem Zabli-Pass entgegen.
Bei Ziörjen's Stafel konnten wir den pflichtbewussten Bewachungsdienst der Schweizer Armee bestaunen. Es scheint, dass die Sonne unserer Armee auch ganz schön zu schaffen macht.. Von hier aus lag der Weg bis auf den Zabli-Pass unter einer Schneedecke, so dass wir noch einmal, hoffentlich das letzte, die weisse Pracht genossen. Auf der Passhöhe, die gleichzeitig auch die Kantonsgrenze Bern/Waadt bildet, liessen wir uns erneut nieder um die schöne Aussicht ins nachbarliche Etivaz zu geniessen.
Bereits wurde bei einigen ein gewisser Trieb sichtbar, denn sie packten alle die Geldsäckel hervor, nahmen Karten in die Hand und machten durch allerlei Gesten und Geräusche kund, ob sie nun endlich genug Karten hätten oder noch welche wünschten - oder noch schlimmer, schon zu viele hatten...
Nach dieser gemütlichen Rast wanderten wir auf der rechten Talseite, zu Teil noch über Schneefelder, vorbei an Alphütten von wo aus wir auch noch ein paar Gemsen zu Gesicht bekamen. Bevor der Weg ins Tal führte, fanden wir einen günstigen Rastplatz. Die Erfahrungen der letzten Jahre hatten scheinbar gezeigt, dass der erste auch meistens der beste Rastplatz ist und so liessen wir uns gemütlich am Waldrand nieder und begannen Holz für das Feuer zu sammeln. Schon bald loderte eine prächtiges Feuer, so dass Koteletts, Cervelats und Plätzli auf und im Feuer zubereitet werden konnten. Vermutlich waren ein paar Plätzli, Koteletts und Cervelats sehr pikant gewürzt, denn es brauchte doch einige Flaschen, um die Brände in den Kehlen zu löschen. So ein z'Mittag in freier Natur bei gemütlichem Geplauder unter guten Kameraden ist etwas urgemütliches. Jedenfalls ging die Zeit viel zu schnell vorbei, so dass wir den Abstieg ins Etivaz mehr rennend als wandernd hinter uns brachten. Trotzdem war es schon ziemlich spät, als wir oberhalb des Dorfes ankamen, so dass wir uns nicht ganz einig wurden, ob wir den Marsch nach Château d'Oex noch unter die Beine nehmen wollten oder nicht. So liessen wir uns denn durch unseren Instinkt führen und landeten, wer hätte etwas anderes vermutet, im Beizli im Etivaz. Zum Glück hatten wir 1 ½ Stunden Zeit bis das nächste Postauto kommen würde, so konnten wir auf der Terrasse im Sonnenschein dem Bänkeln 31-erlen und Fendant frönen. Der Kontakt mit der französisch sprechenden Bevölkerung, besonders der Servietochter, bereitete niemandem Probleme... Allzufrüh erschien das Postauto, und wir mussten die Karten widerwillig beiseite legen und einsteigen. Der Postauto-Chauffeur war gleich guter Laune, als er merkte, was für eine lustige Bande er da geladen hatte. In Château d'Oex angekommen, mussten wir auf die MOB warten, was einigen die Gelegenheit bot, unseren welschen Nachbarn ein Ständchen zu singen, in französisch, wohlverstanden und natürlich mehrstimmig, wie es sich gehört. Unsere Chauffeure konnten mit einem Saanenländer, der sich beim Bahnhof aufhielt, nach Gstaad fahren, um die Autos zu holen und uns dann am Bahnhof in Gstaad zu empfangen. Wir anderen bestiegen die MOB und natürlich wurde sofort wieder bänklet, aber halt, nicht alle, denn während die meisten dem Kartenspiel frönten, hatte Richard eine nette Dame bemerkt, die sich ebenfalls in unserem Abteil befand und erst noch allein. Tja, da Richard keine Probleme mit der französischen Sprache hat, wurde natürlich ein Gespräch eingefädelt mit der hübschen Dame. Aber leider verstand diese kein Französisch; für Richard aber kein Problem, dann versuchen wir es halt mit Englisch, sagte sich Richard. Das klappte und innert kurzer Zeit wussten wir alle woher die Dame kam, denn Richard wiederholte mehrmals :"So, you are from Canada!". Aber sehr gesprächig war die Dame nicht, obwohl Richard sehr gut Englisch sprach.
Nach dieser kurzweiligen Bahnfahrt errechten wir Gstaad, wo wir von unseren Chauffeuren auf der Bernerhofstrasse empfangen wurden. Hier löschten wir nochmals unseren Durst und befriedigten den Spieltrieb. Dann ging's aber endgültig Richtung Gsteig, wobei die meisten, angesichts der vorgerückten Stunde, direkt nach Hause gingen. Aber ein paar Turnerkollegen verschwanden noch im Bären. So ist es mit leider nicht möglich, das Ende dieser Turnerwanderung zu beschreiben.

Dies war meine erste, aber sicher nicht letzte Turnerfahrt !

Simon Graa

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