Oberl. Turnfest Heimberg 1964

6. Juli 1964

Teilnehmer : Christian Walker, Arnold Gobeli, Ernst Linder, Christian von Siebenthal, Arthur Burri, Erich Kohli, Thomas Walker, Manfred Haldi, Hanspeter Walker, Fritz Graa, Arnold Reichenbach, Leo Schwyter, Jakob Walker.

Programm : 1. Lauf-Marsch und Freiübungen
2. Sektionslauf
3. Kugelstossen
4. Allgemeine Übungen

Am 6. Juli 1964, 8 ½ Jahre nach der Gründung des TV Gsteig-Feutersoey ist es soweit. Während Wochen hat uns Chrigel mit Mühe und viel Geduld die verschiedenen Übungen beigebracht. Dass es trotzdem noch hier und dort happert, darf durchaus nicht ihm zur Last gelegt werden. Das "Hopserhüpfen" vor- und rückwärts hat einfach seine Tücken. Am Samstag schien es dann zu klappen. Nicht allzu spät brachen wir die letzte Übung ab, um noch den Durst zu löschen und die verschwitzte Flüssigkeit zu ersetzen. Es wurden auch noch die letzten Vorbereitungen getroffen. Die Abfahrt wurde auf Sonntagmorgen 6.30 Uhr angesetzt.

Sonntagmorgen 6.20 Uhr: Prachtvolles Wetter, alle sind anwesend ausser Leo Schwyter. Nach mehr oder weniger durchzechter Nacht scheint er sich verschlafen zu haben und Chrigel holt ihn aus dem Bett. Kaum 10 min. später ist auch Leo auf dem Dorfplatz. Bevor wir abfahren macht er noch rasch kühle Morgentoilette im Reuschbach. Wir fahren sozusagen pünktlich weg. Nachdem in Boltigen noch Arnold Gobeli zu uns gekommen ist, ist unsere Sektion komplett.

In Heimberg herrscht bereits grosse Wettkampfstimmung. Die näheren Sektionen sind schon an der Arbeit und wir kommen nicht aus dem Staunen ob den guten Leistungen. Übung macht den Meister! Im grossen Gedränge suchen wir unsere Garderobe. Nach dem Umziehen besammeln wir uns auf der Wiese hinter der Turnhalle, um nochmals unser Programm durchzuturnen. Wie schon so oft, ist das "Hopserhüpfen" wieder total abverheit. Chrigel entschliesst sich daher, das Programm noch leicht abzuändern. Die Zeit bis zu unserer Vorführung ist knapp und wir eilen auf den offiziellen Vorführungsplatz, um uns bereitzustellen. Alle sind mehr oder weniger ein bisschen aufgeregt. Es ist so weit. Chrigel meldet unsere Sektion zur Arbeit bereit. Erstmals turnt Gsteig an einem oberländischen Turnfest. Jeder gibt sich grosse Mühe und die Kameraden vom TV Saanen-Gstaad spenden uns einen prächtigen Applaus. Vom Freiübungsplatz geht's weiter zum Sektionslauf. Voll Begeisterung erzählt jeder was er gut und was er schlecht gemacht habe und Chrigel hat grosse Mühe seine Burschen zu Schweigen zu bringen. Auch während dem Lauf hört man Zurufe und Ratschläge. Beim Abmelden gibt uns der Postenchef, Horst Notter, den guten Ratschlag in Zukunft besser aufs Maul zu hocken. Wegen dem Geplauder hat er uns einen disziplinarischen Abzug machen müssen. Nun, wir sind zum ersten Male dabei und werden uns die Ratschläge eines erfahrenen Turners zu Herzen nehmen. Weiter geht's zum Kugelstossen. Auch hier gibt jeder was er kann und das Resultat ist gewiss ganz passabel. Mit dieser Disziplin haben wir den eigentliche Sektionswettkampf abgeschlossen und es ist langsam Zeit um Mittagessen. Nachdem wir uns ein Viertelstündchen am Schatten ausgeruht haben, begeben wir uns zur Festhütte. Die Sonne brennt schon ziemlich auf den Schultern und der Schatten tut gut. Doch halt, einer fehlt, natürlich Leo, dieses Unikum ist hinter ein paar Büschen eingeschlafen und liegengeblieben. Er versucht in jeder Pause nachzuholen, was er in der vorigen Nacht versäumt hat.

Beim Mittagessen in der Festhütte begegnen wir wiederum unseren Kameraden von Saanen-Gstaad. Sie sind eine der grössten Sektionen in Heimberg. Da man allerhand von ihnen erwartet, sind sie auf dem Nachmittagsprogramm vorgesehen. Dies bedeutet, dass sie am grossen Festumzug nicht teilnehmen können. Sie sind so grosszügig und stellen uns Gsteigern die Fahne zur Verfügung, damit wenigstens diese am Umzug teilnehmen kann. Nachdem Leo wieder geweckt wurde, brechen wir auf, um an den Ausgangspunkt des Umzuges zu gelangen. Die Hitze hat ihren Höhepunkt erreicht und der Abmarsch des Umzuges scheint noch in weiter Ferne zu liegen. Es gibt nur eines um diese Strapazen heil zu überstehen, ein kühles Bier im Schatten.

Endlich erfolgt die Aufstellung der Sektionen und anschliessend der Abmarsch. Die lange Schlange durchzieht Heimberg und kehrt in einer weiten Schlaufe auf den Festplatz zurück. Wir kommen gerade rechtzeitig zurück, um die Übungen von Saanen-Gstaad an den Schaukelringen zu sehen. Hierauf bewundern wir auch die zackigen und präzisen Freiübungen unserer Kameraden aus dem Nachbardorfe. Kurz darauf erfolgt die Aufstellung zu den allgemeinen Übungen. Nach 10 min. intensiven Suchens haben wir auch Leo wieder unter uns, er hat zur Abwechslung in der Zwischenzeit hinter der Turnhalle ein wenig geschlafen. Es folgt nun der eindrucksvolle Schlussakt des oberl. Turnfestes Heimberg und die Überreichung der Oberturnerpreise. Mit 18 Jahren nimmt unser Chrigel als jüngster Oberturner den wohlverdienten Preis in Empfang. Auch wir danken ihm alle herzlich für die Mühe und Arbeit, die er mit uns hatte. Es ist eine beachtliche Leistung die er hervorgebracht hat, nicht umsonst haben ihm mehrere Experten gratuliert.


Nach einer letzten, grossangelegten Suchaktion haben wir Leo wieder unter uns und wir treten den Heimweg an. Unsere erste Etappe führt bis nach Thun in den Hopfenkranz zur Lara Steffen . Dort erwarten uns die beiden Turnerinnen Helen Hauswirth und Annelies Linder, welche einen Kurs besucht haben. Wir setzen unsere Heimreise fort und fahren praktisch ohne Halt bis nach Gsteig.
Bei der Turnhalle stellen wir uns bereit zum Umzug, an dem auch die beiden Turnerinnen teilnehmen. Von Chrigel mit der Handorgel begleitet marschieren wir unter recht grossem Applaus der Bevölkerung in unserem Dorfe ein (mehr oder weniger zackig). Vor dem Bären gibt's ein Glässchen Fendant" un e Lutz".
Wir treffen uns wieder um 20 Uhr im Bärenstübli, wo zum Abschluss unseres ersten Turnfestes ein Festlein stattfindet. Plattenspieler und Oberturner sorgen abwechslungsweise für Musik, für eine Tänzerin hat jeder selbst gesorgt. Um 22 Uhr entschliessen wir uns, auf dem Dorfplatz nochmals unsere Freiübungen durchzuturnen und zwar mit bluttem Ranzen. Gleich anschliessend folgt ein Tanz, im selben Tenu. " Ja so ein Tänzchen mit bluttem Ränzchen". Im Laufe des Abends gibt Chrigel noch die offiziellen Resultate des Turnfestes bekannt und dann folgt die feierliche Einweihung des Oberturnerpreises. Die 14 Teilnehmer besammeln sich auf einem Glied. Die Heimberger-Steingutschale wird mit Fendant gefüllt und jeder nimmt einen braven Schluck daraus. Nach einem kräftigen Zige-Zage geht's weiter mit "Tango de toujours". Das frohe Fest endet in einem würdigen und kameradschaftlichen Rahmen.
Unser erstes Turnfest wird jedem Teilnehmer in bester Erinnerung bleiben, und ich möchte Chrigel nochmals herzlich danken für seinen Einsatz. Seiner Initiative verdanken wir, dass unsere Teilnahme zu Stande kam. In diesem Sinne möge unser TV weiter blühen und gedeihen, Kameraden nehmt euch ein Beispiel an Chrigel.

Erich Kohli

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